Schalom

Ein „Judenhof“ war der Platz um die Synagoge, das Lehr- und Gebetshaus einer jüdischen Gemeinde. Morgens trafen sich hier die Toraschüler und abends erreichten Mitglieder der Gemeinde die Mikwe, ihr rituelles Tauchbad. Hier wurden Hochzeiten gefeiert, nach jüdischem Gesetz zu Gericht gesessen und zum Laubhüttenfest die improfisierten Hütten gebaut. Ein öffentlicher und zugleich spiritueller Ort.

Der Perleberger Judenhof geht auf die Gründungsphase der Stadt im 13. Jahrhundert zurück. Jüdische Fernhändler ermöglichten seinerzeit Zugang zu ihren weltweiten Handelskontakten und stellten mit ihrem kaufmännischen Denken, ihrer Sprach- und Weltgewandtheit, auch eine Art Prototyp des zukünftigen Stadtbürgers dar.

Der Hof gilt als der Einzige seiner Art in Norddeutschland, der in seinem Grundriss komplett erhalten ist.

Nachdem bei archäologische Grabungen Belege für die Struktur der Hofes gefunden wurden, bildete das Projekte „Judenhof in Perleberg“ 2005 eine Tor nach, wie es sich einst am Eingang des Hofes befand und baute eine Doppelgarage, die auf den Fundamenten der ehemaligen Mikwe stand, zu einem Ausstellungs- und Veranstaltungsgebäude um. Es soll die Bedeutung der Perleberger Juden an der Gründungs- und Stadtgeschichte wieder ins öffentliche Bewusstsein gerückt werden.

So ist der Hof weniger Gedenkort an die Opfer der Nazizeit, hier soll vor dem Hintergund der 1000jährigen Geschichte gegenseitiger Abgrenzung von Christen und Juden, die jüdische Kultur näher gebracht und Lehren für die Zukunft gezogen werden.

Bei all dem war der Judenhof kein Ghetto sondern stets Ausdruck selbstbewußter jüdische Identität. Sein Eingangstor schützte die Gemeinde auch vor Einmischungen ihres christlichen Umfelds.

Seit 2016 das Besucherzentrum eröffnet wurde, finden regelmäßig Ausstellungen und Vorträge, Workschops, Theater- und Musikveranstaltungen statt.

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